Freitag, 17. Juni 2016

[Rezension] Gemin, G. R. - Milchmädchen

Quelle: Carlsen
Titel: Milchmädchen
Originaltitel: Cowgirl
Autor: Giancarlo R. Gemin
Übersetzer: Gabriele Haefs
Erscheinungsdatum: 18. März 2016
Verlag: Königskinder
ISBN: 978-3-551-56026-1
Format: gebundene Ausgabe
Seiten. 272
Preis: 16,99€

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Zwölf Kühe mitten in einem schäbigen walisischen Wohngebiet verstecken? Das bleibt doch niemals unbemerkt! Aber Gemmas Leben ist sowieso total durcheinander – ihr Vater ist im Knast, die Mutter abgekämpft und der kleine Bruder nervt einfach nur. Und wie sie sich mit der komischen, starken Außenseiterin Kate angefreundet hat, weiß sie eigentlich selbst nicht. Aber Kate braucht Gemmas Hilfe, damit ihre Kühe nicht verkauft werden müssen. Gemmas Nachbarn kümmern sich normalerweise nicht so um andere Leute – geschweige denn um Tiere. Doch nun stehen dicke, muhende, Gras fressende Kühe in ihren Gärten. Und setzen einiges in Bewegung!

Quelle: Carlsen


Giancarlo R. Gemin wurde als Sohn italienischer Eltern in Cardiff in Wales geboren. "Milchmädchen" ist sein erstes Buch und hat schon zahlreiche Preise bekommen. Wenn er nicht schreibt, hört G.R. Gemin gern Musik, von Jimmy Smith bis Giuseppe Verdi. Der Autor lebt in London.
Quelle: Carlsen

Gemma lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einer sozial sehr herunter gekommenen Siedlung. Ihr Vater sitzt im Knast und Gemmas Mutter trägt die ganze Verantwortung, was diese ganz schön fertig macht. Aber auch so ist Gemmas Leben nicht leicht, ihrer Freundinnen gehören eher zur fiesen Sorte, die unter anderen auch gerne andere ärgern. Kate, genannt Cowgirl, ist so ein Opfer. Kate lebt mit ihren Eltern auf einen Bauernhof, sie ist stark und kann sich körperlich stets gut wehren.  Irgendwie freunden sich Kate und Gemma an - wie? Das wissen wohl beide nicht so genau. Schon bald benötigt Kate Gemmas Hilfe. Denn Kates Dad muss die Kühe verkaufen, die dem Familienhof angehören. Beide schmieden einen Geheimplan, um diese zu retten. Aber so geheim ist der Plan bald nicht mehr und sie erhalten Hilfe von ungeahnter Seite...

G. R. Gemin hat viele wunderbare Charaktere in die Geschichte eingebaut, die mit ihren Facetten eine mehr oder weniger große Rolle spielen. Ganz vorne stehen Kate und Gemma, die sich zunächst zögerlich anfreunden, am Ende jedoch füreinander einstehen, wie es Freundinnen nun mal tun.
Gemma macht dabei eine tolle Entwicklung, indem sie sich von einer Mitläuferin, die ihren "hippen" Klassenkameradinnen, nach dem Mund redet, zu einer eigenständig denkenden Jugendlichen entwickelt. Auch in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen macht Gemma Fortschritte, ob es nun das Verhältnis zu ihrer Mutter oder auch zu ihrem kleinen Bruder ist. 

Kate tritt Anfangs noch sehr verschlossen auf. Sie ist Außenseiterin und kümmert sich am liebsten nur um ihrer Kühe. Sie ist am Boden zerstört, als sie erfährt, dass ihr Vater die Kühe aus finanziellen Gründen verkaufen muss. Im Laufe der Geschichte, wird sie immer offener und findet auch Zugang zu anderen Menschen. Ich fand diese Entwicklung toll, denn Kate ist wirklich ein tolles Mädchen, mit dem Herzen am rechten Fleck. Sie ist mutig und gibt nicht so schnell auf, egal welches Hindernis sich ihr in den Weg stellt.

Der Autor hat einen ganz eigenen Schreibstil, der aber wie die Faust aufs Auge zur Geschichte passt. Es ist ein gelungenes Debüt und hat meiner Meinung nach zurecht schon einige Preise eingeheimst. Ich mochte es, wie er jeder Figur im Buch einen eigenen Charakter verpasste. Die Menschen in Bryn Mawr sind alle irgendwie verschroben und kümmern sich eher wenig um den anderen. Sie haben Angst, leiden unter stetig wachsenden Einbrüchen und verstecken sie in ihren eigenen vier Wänden. Erst im Laufe der Geschichte, bilden sie eine feste Gemeinschaft. Dies und auch die tolle Entwicklung seiner Hauptprotagonisten konnte Gemin glaubwürdig rüberbringen. Er spricht soziale Probleme und Ängste an, ohne in irgendeiner Art belehrend zu sein. Auch die Beschreibung der doch schon sehr sozial schwachen Siedlung war passend. Er hebt nichts positiv hervor, wertet aber auch nichts ab. 

Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Zunächst einmal habe ich mich natürlich gefragt, wer hinter G. R. Gemin steckt. Wenn man der Geschichte folgt, könnte man meinen, dass es von einer Frau verfasst wurde. Die ganze Handlung wird durch eine Feinfühligkeit und jugendliche Süße getragen, die man nicht oft findet. Der Autor hat die Themen Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft und Toleranz untereinander super herüber gebracht und mir gezeigt, dass auch Männer wunderschöne Geschichten mit Herz schreiben können. Von "Milchmädchen" bin ich jedenfalls schier begeistert und kann nur sagen, dass es wirklich besonderes Buch ist. 

Gemma und Kate - zwei Mädels, die sich schnell in mein Herz schlichen. G. R. Gemin schuf hier eine schöne Handlung mit viel Charme und Wärme und zeigt den Lesern, dass man nur an das Gute glauben muss, damit auch Gutes passiert. "Milchmädchen" ist eine Geschichte mit Herz und deutlicher Message zugleich. Ein tolles Jugendbuch, welches ich nur jedem empfehlen kann.

Von mir gibt es 






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